Gräter, Max

(1896-1944)

1896 Geboren am 31. Oktober in Ulm. Der Vater Christoph Gräter war Steinmetz an der Ulmer Münsterbauhütte.
1904 Tod des Vaters.
1905 Gräter kommt als 8-jähriger an die Blindenschule der Franziskanerinnen von Heiligenbronn. Dort Unterricht in Theorie und Klavier bei Sr. M. Pia Hauser. Orgelunterricht.
1914 Organist der Wallfahrtskirche Heiligenbronn. Dort die LINK-Orgel, op. 132, II/P 12 von 1887 mit mechanischer Kegellade.
1917 Erste eigene Kompositionen, hier Autodidakt. Beim Niederschreiben der Noten half ihm die Musiklehrerin Sr. Timothea Lösch (gest. 1965)
1928 Die Klosterkirche erhält eine "Dachbodenorgel" der Ennetacher Firma SPÄTH II/P 28, op. 369 mit pneumatischer Traktur. Die Register der LINK-Orgel werden übernommen.
1944 Gestorben am 18. Dezember in Heiligenbronn, dort beigesetzt.

Max Gräter hat für den "Verein zur Förderung der Blindenbildung e. V.
Hannover-Kirchrode" musikalische Werke auf Punktschrift übertragen. Er hat
auch selber komponiert, drei seiner Werke sind dort erschienen.
Gräter war ein begeisterter Glockenfreund. Er kannte 1072 Geläute in Württemberg mit 3 und mehr Glocken nach Gießer, Ton, Gewicht und Gußjahr, außerdem hunderte andere Geläute im übrigen Deutschland und der Schweiz. In der Blindenschule brachte ihm seine Glockenliebe den Spitznamen "Glockenmax" ein.
Durch Fürsprache der Franziskanerinnen von Heiligenbronn konnte Max Gräter einer von den Nazibehörden angeordneten Zwangssterilisierung entgehen.

Orgelwerke

in der Blindendruckerei Hannover-Kirchrode sind folgende Orgelwerke in Blindenschrift gedruckt:

op. 1: Präludium As-Dur über das Ulmer Münstergeläute
op. 5: Zwei Fugen
op. 9: Sechs festliche Präludien

Viele weitere Orgelwerke im Manuskript:
op. 15: Zwei Präludien
op. 16: Drei Fugen
op. 18: Zwei Präludien
op. 22: Vier Orgelstücke
op. 26: Zwei Präludien und Fugen
op. 27: Zwei Präludien
op. 28: Toccata g-moll
op. 34: Zwei Präludien
op. 39: Drei kleine Präludien
op. 52: Feierliche Präludien für Harmonium
op. 59: Suite F-Dur
op. 60: Sechs Fughetten
op. 62: Drei Sonatinen
op. 63: "Durch das Kirchenjahr" vierzig lyrische Sätze für Harmonium
op. 64: Drei Präludien
op. 69: fünfundzwanzig Skizzen für Harmonium
op. 70: Sechzehn kleine Fughetten über gregorianischen Melodien
op. 71: Paraphrase über das Lied "Himmelsau"
op. 72: Fünf Präludien
op. 74: Fantasie über "Stille Nacht"
op. 76: Passacaglia über das Lied "Du Gottmensch"
op. 79: Neun kleine Vorspiele nach dem Rottenburger Gesangbuch
op. 82: Drei Orgelstücke für die Weihnachtszeit
op. 83: Vier Indtroduktionen und Fugen über die gebräuchlichen "Ite missa est"
op. 84 Neun Fughetten über gregorianischen Melodien für Orgel oder Harmonium
op 86: Drei Orgelstücke für die Passionszeit
op. 87: Orgelphantasie "Gott vor deinem Angesichte"
op. 89: BACH - Phantasie und Fuge zum 250. Geburtstag von Johann Sebastian Bach 21.03. 1935
op. 91: Drei Orgelstücke für die Osterzeit
op. 92: Orgelphantasie über das 1931 ergänzte Ulmer Münstergeläute As-B-C-Des-Es-F-As-B-C
op. 99: Phantasie und Fuge über "Tausendmal ich dich begrüße"
op. 100: Sechs kleine Präludien
op. 102: D-moll Phantasie
op. 103: Neun Fughetten über gregorianischen Melodien
op. 105: Sechsunsechzig Orgelchoräle nach dem Rottenburger Gesangbuch
op. 131: Vierzig Choralvorspiele (Fughetten) zum Gesangbuch der Diözese Rottenburg, 1941
op. 135c: Fantasie für Orgel zu vier Händen über "Nun danket all", 1941
op. 139: Fantasie für Orgel zu vier Händen über den Namen B-A-C-H, 1941
op. 140: Zwei Präludien und Fugen in c-moll und D-Dur
op. 141: Sechs Trios für die Orgel, 1941
op. 142: Introduktion und Passacaglia über die Glocken der Marienkirche von Reutlingen
op. 147: Präambel, Choral und Fuge über das Lied: "Gelobt seist du Herr Jesu Christ", 1941
op. 153: Fantasie für die Orgel: "Die Glocken von Obermarchtal"

Hörbeispiel

op. 1: Präludium As-Dur über das Ulmer Münstergeläute
Gespielt von Siegfried Gmeiner auf der LINK-GAIDA-Orgel (IV/P 80) der Ulmer Pauluskirche

 

Quelle

- Ehemalige Mitschüler. Festschrift "125 Jahre Schule für Blinde und Sehbehinderte St. Franziskus Schramberg-Heiligenbronn" von 1993. Artikel über Max Gräter vom ehemaligen Direktor der Blindenschule, Herrn Heinz Kirchherr.

- Mittteilung Sr. Maria Franziska Teufel, Organistin des Klosters Heiligenbronn, März 2011

- Hans-Joachim Losch: "...zwecks Unfruchtbarmachung". Die NS-Zwangssterilisierung, dargestellt am Beispiel
der Opfer in der Erziehungsanstalt Heiligenbronn, Lambertus-Verlag Freiburg, 2002, 86 Seiten.

- Adolf Kriessmann: Geschichte der katholischen Kirchenmusik in Württemberg, Schultheiß, Stuttgart, 1939